Naturführungen auf der Wasserfallen


Magerwiesen, lichte Wälder, freigestellte Felsbänder und Juraweiden: Auf engem Raum liegen hier Lebensräume nebeneinander, die anderswo längst verschwunden sind. In eineinhalb Stunden zeigt Ihnen eine Fachperson, was auf den ersten Blick wie eine Wiese aussieht und tatsächlich eine der artenreichsten Flächen des Baselbiets ist.

Die Natur auf der Wasserfallen

Die Wasserfallen ist kein Naherholungsgebiet, in dem Natur zufällig übrig geblieben ist. Was Sie hier sehen, ist das Ergebnis jahrhundertelanger Bewirtschaftung und gezielter Pflege. Zuständig dafür ist die Stiftung Wasserfallen, die im Gebiet mehrere Schutzflächen betreut.

Ein Gebiet, viele Lebensräume
Die Schutzflächen verteilen sich auf mehrere Teilgebiete: Gustberg und Sennberg, Goldbrunnen mit Wildblick und Säuschwenki, der Vogelberggrat, die Muniweid bei der Waldweide und die Hintere Wasserfallen. Jedes hat einen eigenen Charakter, geprägt von Hangneigung, Ausrichtung und Bodentiefe.

Auf den flachgründigen Südhängen wachsen Magerwiesen mit Enzianen und Orchideen. In den lichten Wäldern und an gestuften Waldrändern findet sich der Übergangsbereich zwischen Wald und Weide, ökologisch die wertvollste Zone überhaupt. Die freigestellten Felsen bieten Lebensraum für Arten, die volle Sonne und offenen Fels brauchen.

Vier Arten, die stellvertretend stehen

  • Der Schwalbenwurz-Enzian wächst auf mageren, sonnigen Böden und verschwindet, sobald gedüngt wird.
  • Die Heidelerche brütet am Boden und braucht kurzrasige, lückige Flächen mit einzelnen Sträuchern als Singwarte.
  • Das Bergkronwicken-Widderchen ist ein tagaktiver Schmetterling, dessen Raupen auf eine einzige Pflanze angewiesen sind: die Scheidige Kronwicke. Fehlt die Pflanze, fehlt der Falter.
  • Dazu kommen Baumpieper, Haselhuhn und eine Reihe weiterer Tagfalter.

Wie die Flächen gepflegt werden
Zwischen 2022 und 2025 lief auf rund 150 Hektaren ein Aufwertungsprojekt über die Kantonsgrenze zwischen Basel-Landschaft und Solothurn hinweg. Getragen von der Stiftung Wasserfallen, gemeinsam mit den Gemeinden Reigoldswil, Titterten, Ziefen, Waldenburg und Mümliswil-Ramiswil, dem Naturpark Thal und der Luftseilbahn.

Die Massnahmen klingen unspektakulär und sind entscheidend: Wiesen und Weiden werden extensiv und gestaffelt gemäht, sodass immer ein Teil stehen bleibt und Insekten überleben. Hecken und Säume werden abschnittweise gepflegt statt auf einen Schlag. Wälder werden ausgelichtet und Waldränder gestuft aufgebaut. Felsen werden von Gehölz freigestellt. Dazu kommen Kleinstrukturen aus Ast- und Steinhaufen und neu angelegte Weiher.

Ein zweites Ziel ist die Vernetzung. Isolierte Flächen nützen wenig, wenn Arten nicht zwischen ihnen wandern können. Ein Teil der Arbeit besteht deshalb darin, Verbindungsachsen wiederherzustellen.

Was Sie beitragen könne
Bleiben Sie auf den markierten Wegen, führen Sie Hunde an der Leine und lassen Sie Pflanzen stehen. Auf Magerwiesen richtet ein einzelner Schritt neben dem Weg keinen Schaden an, tausend Schritte über eine Saison schon. Die Besucherlenkung ist ausdrücklich Teil des Schutzkonzepts.

Mehr zur Arbeit der Stiftung unter stiftung-wasserfallen.ch.